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Frontalangriff auf die deutsche Sprache

Unser wichtigstes und kostbarstes Kulturgut ist bedroht

Deutschland ist ganz vornehmlich das Land der deutschen Sprache. Sie ist das einigende Band, das die seit Generationen hier lebenden Menschen mit den Millionen Einwanderern verbindet, die seit der Anwerbung von Gastarbeitern zu uns gekommen sind. Die deutsche Sprache zu sprechen ist die entscheidende Voraussetzung für eine Teilhabe an der deut- schen Kultur, für die Beteiligung am Arbeitsleben, für nahezu jeglichen Austausch mit den hier lebenden Menschen. Wer die deutsche Sprache nicht beherrscht, dem droht ein Leben ohne Erwerbsarbeit am Rande der Gesellschaft oder das Abdriften in Parallelgesellschaften. Die haben wir bereits in Stadtvierteln großer Städte mit einer Subkultur, die die Mehr- heitsgesellschaft nur noch für den Transfer von Leistungen benötigt.

Diese Erkenntnis scheint aber nicht sehr weit verbreitet zu sein. Wie wäre sonst die sträfliche Nachlässigkeit zu erklären, mit der staatliche Organe, aber auch Politiker und Journalisten, sogar Lehrer und Pädagogen unsere Sprache behandeln. Nicht nur, dass Millionen Menschen ohne akzeptable Deutschkenntnisse in unserem Land hingenommen werden. Selbsternannte Ideologen behandeln unsere Sprache als Spielwiese, um das Land und seine Bürger nach deren Verständnis von Frauen- und Kulturpolitik (um nur zwei Beispiele zu nennen) umzuerziehen. Vermeintliche Eliten leisten sich Frontalangriffe auf unsere Sprache wie

O der staatlich besoldete Europapolitiker, der Englisch als Staatssprache in Deutschland einführen möchte;

O der Linguistikprofessor, der sein Berufsleben der Demonta- ge der deutschen Sprache widmet und den Anglizismus des Jahres wählen lässt;

O der Integrationsminister, der Klagen über Ärzte ohne Deutschkenntnisse damit abwehrt, dass die Patienten besser Englisch sprechen sollten;

O die Grünenpolitikerin, die schon geringe Forderungen an die Sprachfertigkeit von Einwanderern als Zumutung bezeichnet.

Sie arbeiten mit vielen anderen daran, das einigende Band zu zerstören, das die Deutschen mit denen verbinden kann, die ebenfalls hier leben möchten.
Was sind die Gründe, dass viele unserer Zeitgenossen unsere Sprache nicht schätzen, dass sie mit ihr wie mit einem Stein
bruch umgehen, den man beliebig ausbeuten oder mit Unrat und Müll auffüllen kann? Welche Rolle spielt die Aufnahme von Millionen Migranten aus fremden Kulturkreisen? Oder die Entfremdung von der eigenen Kultur, die nach den Verheerungen der Nazi-Diktatur mit der kritiklosen Übernahme des anglo-amerikanischen Weltbildes eingesetzt hat? Was behebt man damit, den ‚Fremdenführer‘ durch einen ‚Guide‘ zu ersetzen? Macht das die Judenvernichtung rückgängig? Gibt man nicht damit dem sog. ‚Führer‘ eine späte Wirk- macht, die gerade ausgeschlossen werden soll?

Der Denglisch-Pest entgegen treten

Jedenfalls existiert ein Gefühl der Selbstentfremdung1 in unserer Gesellschaft, das nicht von Einwanderern verursacht, sondern von unseren politischen, ökonomischen und wissen- schaftlichen Eliten mit Eifer betrieben wird. In welcher Welt lebe ich hier eigentlich, frägt sich, wer Zeitungen liest oder fernsieht. Zwei Beispiele:

O Das ZDF, ein durch Zwangsgebühren finanzierter Fernsehsender, begrüßte im letzten Jahr seine Besucher auf dem Netzportal mit den Worten: „Mit neuem Design, verbes- serter Usability, und modernerem Look and Feel – der aktuelle Relaunch sticht dem User sofort ins Auge.“ Eine Frechheit, dem Bürger mit einem derart aufgeblasenen Blähsprech gegenüber zu treten.

O Deutschlands beliebtestes Auto kommt derzeit in einer neuen Ausgabe auf den Markt. Der Volkswagenkonzern versucht sich neu zu erfinden, ein internationaler Sprachbrei soll helfen. Think new, nennen das die niedersächsischen Weltbürger: mit Intuitive Usability, einer digitalen User Experience kann man Mitglied einer Connected Com- munity werden und always on sein. Die Brücke zum Auto- mated Driving und zur Smart Sustainability ist damit offen. Zu diesem Zweck ein Active Info Display, damit auf dessen Touchscreen mit kapazitiven Softkeys Playlists gewechselt werden können, so geht es in einem fort. Die Herren der Wolfsburg haben ein Rad ab! 

1 Selbstentfremdung steht für die Entfremdung des Menschen von seiner Natur und seiner Gesellschaft. Das Empfinden der Kraft einer fremden (kul- turellen) Macht kann auch ein Gefühl der Bedrohung verursachen. 

Die Bundeswehr steht dem in nichts nach: „Die Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) ist Teil der NATO Response Force. Mit der VJTF kann die NATO noch schneller und flexibler ...“ ! Den Bürger zu informieren kann dabei nicht ernst- haft beabsichtigt sein, der wird dem pseudointellektuellen Kauderwelsch kaum folgen können.

Warum lassen wir uns diese Verhunzung unserer wunderba- ren, über Jahrhunderte gewachsenen Hochkultursprache bie- ten? Warum bestehen wir beim Autohändler nicht auf einer verständlichen Produktbeschreibung? Warum meiden wir das ZDF nicht einfach so lange, bis dort eine Sprache gesprochen wird, die uns Bürger wertschätzt? Warum fragen Soldaten nicht ihre Vorgesetzten, was sie mit ihrem Fachchinesisch sa- gen wollen? Es wäre folgerichtig und würde der Selbstent- fremdung entgegenwirken, die wir in unserer Gesellschaft allenthalben verspüren. Auch dieses Gefühl treibt viele als Wut- bürger gegen Tendenzpresse und für den Erhalt unserer Kultur auf die Straße.

Sprache lebt. Wie jeder lebende Organismus wandelt sie sich, entwickelt Macken und kleine oder größere Krank- heiten, um immer wieder aufzublühen. Doch gerade die politische Sprache bringt Absonderlichkeiten mit sich. Ein besonders trübseliges Kapitel ist der Versuch, mit Sprachvorschriften Politik zu machen und insbesondere die Gleichstellung der Geschlechter (Gender Mainstreaming2) voranzutreiben. ‚Politische Korrektheit‘3 ist das neue Zauberwort, dem alle Bereiche des öffentlichen Lebens unterworfen werden.

Aus dem kleinen Unterschied wurde seit etwa zehn bis 15 Jahren ein Kampf der Geschlechter, der von Ideologen mit einer Verve betrieben wird, als gälte es, den Leibhaftigen auszutreiben. Ohne Rücksicht darauf, dass im Plural (Mehrzahl) seit Jahrtausenden in allen indogermanischen Sprachen alle Menschen angesprochen sind, werden neuerdings weibliche Formen ergänzt oder die männlichen gar völlig ersetzt. Ob semantisch und grammatisch korrekt oder nicht, spielt keine Rolle. Das Binnen-I in ProfessorInnen ist ein schlagendes Beispiel für verkopfte und praxisuntaugliche Lösungen. Sprache wird zur ideologischen Waffe – ohne Rücksicht drauf, wie verkrüppelt und blechern sie dadurch wird.

Auch die Bundeswehr macht fleißig mit: Ansprachen begin- nen heute mit „Meine sehr geehrten Damen und Herren, lie- be Soldatinnen und Soldaten, sehr geehrte Reservistinnen und Reservisten, werte Kameradinnen und Kameraden“! Schon toll, wenn die Anrede die Redezeit ausfüllt. Ist dann noch von „Mitgliederinnen und Mitglieder“ die Rede wird deutlich, dass man einem inhaltsleeren Redner und grammatikalischen Analphabeten ausgesetzt ist. 

Wo früher mit dem Wort ‚Bürger‘ alle gemeint waren, ob Frau oder Mann, Greis oder Kind, geht heute ohne ‚Bürgerinnen und Bürger‘ nichts mehr. Für die „Erforschung“ dieses Irrsinns hat der deutsche Steuerzahler mittlerweile über 200 Professuren zu finanzieren! Die Erforschung des Klimawan- dels, ein existenzielles Problem der Menschheit, ist uns dagegen nur ein paar Dutzend Lehrstühle wert. Geht’s noch?, möchte man fragen.

Eintreten für die deutsche Sprache – eine patriotische Pflicht

In den Institutionen der EU wird hauptsächlich Englisch gesprochen. Das dürfte so bleiben, auch wenn Englisch nach dem Austritt der Briten nur noch eine Minderheitensprache von etwa fünf Millionen Iren und Maltesern sein wird. Ob- wohl Deutsch die meistgesprochene und gleichrangige Arbeitssprache in der EU ist, wird sie hinter Englisch und Französisch als Verfahrenssprache diskriminiert. Laut Bundestag gingen in der Legislaturperiode 2009/2013 über 1.500 Do- kumente der EU-Kommission an Bundestagsausschüsse zur Beratung. Zwölf davon waren vollständig in deutscher Sprache verfasst!

Die Deutschen lassen sich das gefallen, sie halten sich in puncto Sprachpolitik vornehm zurück. Frankreichs Schulministerin eliminierte 2015 das Deutsche als zweite Fremdspra- che, weil es angeblich eine Sprache der Bildungsbürger sei; sie tut dies, wiewohl der deutsch-französische Vertrag zur Förderung des Deutschen verpflichtet. Reaktion aus Deutschland: Fehlanzeige!

Die Liebe zur eigenen Sprache sollte auch für uns Deutsche zur patriotischen Selbstverständlichkeit werden. Setzen wir gegen die um sich greifende Selbstverleugnung der Deutschen einen aufgeklärten Sprachpatriotismus. Mit Nationalis- mus oder gar Zwangsgermanisierung hat das nichts zu tun, denn Patriotismus ist Liebe zum Eigenen, Nationalismus ist Hass gegen das Andere.

Eine Verankerung der deutschen Sprache in der Verfassung könnte einen Beitrag leisten. In unser Grundgesetz gehört ein schlichter Satz:
„Die Sprache der Bundesrepublik ist deutsch.“

Den Frontalangriffen auf unser wichtigstes und kostbarstes Kulturgut wäre damit leichter entgegen zu treten. Damit der Selbstentfremdung der Deutschen Einhalt geboten werden kann und das einigende Band erhalten bleibt.

In Treue fest.

Richard Drexl Oberst a.D.